Der Rote Drache bestreitet 24-Stunden-Rennen Rad am Ring
Seit 2022 versucht sich der Rote Drache Mülheim zusammen mit Freunden außerhalb des Teams im Rennradfahren und nimmt am 24-Stunden-Rennen „Rad am Ring“ auf der Nürburgring Nordschleife teil. In diesem Jahr stellte das Team, mit 15 Fahrern und einer Fahrerin, aufgeteilt in vier Vierer-Teams, einen neuen Teilnehmerrekord auf.
Bei dem seit 2003 stattfindenden Rennen fährt immer ein Teammitglied auf der 26,1 Kilometer langen und mit 550 Höhenmetern versehenen Strecke. Im Fahrerlager auf der Grand-Prix-Strecke wird dann gewechselt und das nächste Teammitglied fährt seine Runde. Gewonnen hat das Team, das nach 24 Stunden die meisten Runden gefahren ist.
Aus den 16 Aktiven wurde ein leistungsorientiertes Team aus den vier schnellsten Fahrern gebildet. Ziel von „Team 1“ war eine möglichst gute Platzierung in der Gesamtwertung aus insgesamt 931 Teams. Die drei weiteren Teams waren in etwa gleich stark besetzt, sodass sie sich untereinander ein spannendes Rennen liefern konnten.
Intensive Startphase
Dass fehlende Kraft in den Beinen durch Wahnsinn ersetzt werden kann, bewies Florian Schimanski, als um 12:35 der Startschuss fiel. Auf der ersten Hälfte der Runde, die hauptsächlich bergab führt, konnte sich der Drachenbootfahrer durch seine hervorragenden Abfahrkünste an die Spitze des Feldes setzen. Die für das Radfahren ungünstige Verteilung aus Oberkörper- zu Beinmuskulatur machte sich dann aber am langen Anstieg zur berühmten „Hohen Acht“, dem höchsten Punkt der Nordschleife, bemerkbar, sodass Florian für „Team 1“ die Startrunde auf Platz 42 der Vierer-Teams beendete.
Unter den drei anderen Teams setzte sich „Team 4“ in der internen Wertung mit Gesamtplatz 273 und über drei Minuten Vorsprung auf die folgenden Teams nach der ersten Runde etwas ab, während sich „Team 2“ und „Team 3“ ein enges Duell lieferten und innerhalb von 10 Sekunden die Zeitnahme durchquerten.
Allen Teammitgliedern war zwar bewusst, dass ein 24-Stunden-Rennen eine lange Veranstaltung ist, auf der es sich die Kräfte einzuteilen gilt, dennoch fuhr ein Großteil für die jeweils erste Runde die Strategie „Alles muss raus“. Zusätzlich zur suboptimalen Pacing-Strategie machten die Temperaturen von fast 35 °C den Fahrern an den Anstiegen zu schaffen. Denn aufgrund des verhaltenen Wetterberichts war keiner auf diese Hitze vorbereitet. Durch diese Faktoren sahen die meisten bereits um 16 Uhr so aus, als befänden sie sich schon in den letzten Stunden des Rennens.
Nach den ersten acht Stunden war die Aufregung der ersten Runden verflogen und alle hatten ihre Pace gefunden. „Team 1“ pendelte sich auf einer Platzierung in den niedrigen 30ern ein, „Team 4“ rangierte um den 290. Platz, „Team 2“ um 460 und „Team 3“ um 490.
Schreckmoment am Abend
Wie schnell es zu Stürzen auf der Nordschleife kommen kann, erlebte Sebastian Klein aus nächster Nähe. Als er in der Dämmerung seine Runde absolvierte, wurde der Fahrer vor ihm zu weit aus der Kurve getragen und stürzte in der Auslaufzone. Sebastian bremste sofort ab, eilte dem Verunglückten zur Hilfe und rief einen Krankenwagen. Als dieser eintraf und sich die Rettungskräfte um den Gestürzten kümmerten, setzte Sebastian seine Fahrt fort. Wir wünschen dem verletzten Radfahrer gute Besserung und schnelle Genesung.
Die Nacht
Mit Sonnenuntergang legte sich Finsternis über die Nordschleife. Die Strecke ist lediglich an drei Stellen beleuchtet, an denen es in der Vergangenheit vermehrt zu Unfällen kam. Auf dem Rest der Runde müssen sich die Teilnehmer auf ihre Fahrradbeleuchtung, die bereits gesammelte Streckenkenntnis und die Rücklichter der Vorausfahrenden verlassen. Dass die meisten Teammitglieder ein enormes Vertrauen in diese Faktoren besaßen, zeigten die Höchstgeschwindigkeiten: wie schon am Tag wurden auf der längsten Abfahrt beinahe 100 km/h erreicht.
Um ein wenig Schlaf zu bekommen, passten die vier Teams ihren Wechselrhythmus über Nacht an. Tagsüber waren alle vier Fahrer hintereinander eine Runde gefahren. Dadurch betrug die Pause zwischen den Einsätzen je nach Team 2:20 bis 2:50 Stunden. Da diese Zeit hauptsächlich mit essen, der Situation klarkommen und wieder für die nächste Runde vorbereiten gefüllt war, blieb kaum Zeit für echten Schlaf. Deshalb fuhren in der Nacht zunächst die ersten beiden Fahrer eines Teams abwechselnd vier Runden und dann das zweite Duo. Dadurch erhielt jeder eine Pause von 4:00 bis 5:30 Stunden, in denen ein bisschen Schlaf gefunden werden konnte.
Angriff auf Platz 30
„Team 1“ beendete den Zweierwechsel der Nacht nach 20 Runden auf Platz 36 liegend. Dass die Strategie der längeren Pausen aufging, zeigte sich dann in den folgenden Runden. In denen kämpften sich die Vier immer weiter nach vorne, bis sie schließlich nach etwas über 23 Stunden auf dem 31. Platz lagen. Da bereits am Vorabend die Top 30 als angestrebtes Ziel verkündet wurden, mobilisierte der Schlussfahrer noch einmal alle Kräfte und holte die zwei Minuten Rückstand auf Platz 30 auf, sodass das Team nach 23:52 Stunden und 29 Runden das Ziel als 30. erreichte.
Auch „Team 4“ kletterte die Gesamtwertung am Morgen immer weiter nach oben und beendete das Rennen mit 24 Runden auf Platz 251. „Team 3“ schaffte es, trotzt der Verzögerung durch das Erste-Hilfe-Leisten in der Nacht, „Team 2“ zu überholen und kam nach 23 Runden als 426. ins Ziel, während „Team 2“ mit 22 Runden 481. wurden.
Allerdings standen die reinen Platzierungen eher im Hintergrund, wichtiger war der Spaß und das gemeinsame Erlebnis. Und Spaß hatten alle reichlich, auch wenn in der Nacht hauptsächlich Flüche und die Frage: „Warum machen wir das hier?“, aus dem Zeltlager des Roten Drachen tönten. Denn die Qualen waren bereits am nächsten Tag verdrängt und die meisten trugen sich, nach Bekanntgabe, den Termin für 2027 in den Kalender ein.






