Radrennen auf dem Nürburgring
15. Juli 2025

„Kann keine Nudeln mehr sehen“


24 Stunden mit dem Rad über die legendäre Nordschleife des Nürburgrings: Vier Mülheimer wagten dieses Abenteuer

Mülheim Richtig viel geschlafen haben Jan Fillip und seine Mitstreiter an diesem Wochenende nicht. „Ich bin effektiv auf zwei Stunden gekommen“, sagt der Mülheimer, den das Adrenalin bei einem ganz speziellen Radrennen wach hielt. Dabei kommen er und sein Team eigentlich von einer ganz anderen Sportart.

Motorengeräusche waren an diesem Wochenende auf dem Nürburgring und der legendären Nordschleife nicht zu hören. Dafür höchstens das Rasseln der Fahrradketten. Angelehnt an das berühmte Musikfestival stieg auf der beliebten deutschen Rennstrecke das 24-Stunden-Rennen „Rad am Ring“ . Und zum wiederholten Mal war das Team Roter Drache aus Mülheim mit dabei.


Roter Drache? Moment mal? Richtig, das Team ist eigentlich eher auf dem Wasser unterwegs und gehört zu den besten Drachenbootteams in Deutschland. „Aber in der Corona-Zeit haben sich einige von uns ein Rennrad gekauft und dann haben wir irgendwann dieses Rennen entdeckt“, erklärt Fillip den zeitweisen Wechsel vom Wasser auf die Straße. Seitdem gehört das 24-Stunden-Rennen einmal im Jahr als festes Event dazu.


Mit Tempo durch die grüne Hölle

Eine Runde über die Rennstrecke und durch die sogenannte „grüne Hölle“ beträgt 26 Kilometer. Auf den Abfahrten werden die Rennräder gut und gerne deutlich über 90 km/h schnell. „Da guckt man aber nicht auf den Tacho, das sieht man erst hinterher auf dem Fahrradcomputer“, sagt Jan Fillip und ergänzt: „Für uns geht es darum, jede Runde heil zu überstehen.“

Gleich 28 dieser Runden hat Rick Steffen zurückgelegt, der zwar nicht zum Team Roter Drache gehörte, aber ebenfalls aus Mülheim kommt. Und das innerhalb von 24 Stunden. Er ist eigentlich auf das Mountainbike spezialisiert, versucht sich auf dem Ring aber mittlerweile auch als Rennradfahrer. Zum zweiten Mal in Folge hat er die Einzelwertung der Veranstaltung gewonnen. 730,8 Kilometer hat der 32-Jährige zurückgelegt und damit 52 mehr (also zwei Runden) als seine beiden ärgsten Verfolger.


Meistens legt man sich vielleicht eine Stunde hin, fährt ein bisschen runter, dann muss man sich aber auch schon wieder vorbereiten, ein Gel rein, eine Banane essen und weiter geht‘s.


"Da guckt man aber nicht auf den Tacho,
das sieht man erst hinterher auf
dem Fahrradcomputer. Für uns geht es darum, jede Runde heil zu überstehen."

Jan Fillip von den roten Drachen
mit Blick auf die Fahrt
durch die grüne Hölle


„Das ist Wahnsinn“, sagt Jan Fillip voller Respekt. Schließlich hatten sich Hannah Haupental, Sebastian Klein, Björn Kleine-Klopries und er die 24 Stunden zu viert aufgeteilt. Also jeder sechs Runden. „Danach hat man dann drei Stunden Pause und ein bisschen Zeit zu schlafen“, sagt der Hobby-Radler. Doch das Adrenalin hält wach. „Meistens legt man sich vielleicht eine Stunde hin, fährt ein bisschen runter, dann muss man sich aber auch schon wieder vorbereiten, ein Gel rein, eine Banane essen und dann geht‘s wieder weiter“, beschreibt der Mülheimer den Ablauf.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr blieben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diesmal von Regen verschont. Das Mülheimer Quartett kam auch ohne einen Defekt durch den Tag und die Nacht. „Wir haben aber alles dabei: Ersatzschläuche, Reifen, Ersatzketten, zur Not ist auch ein Servicepoint eingerichtet“, so Fillip. Der Verein stellt dem Team außerdem ein Pavillon und Bierbänke zur Verfügung. „Wir sind da wirklich bestens ausgerüstet.“ Gestartet wird in eigenes designten Trikots, die an das Outfit der Drachenboot-Mannschaft angelehnt sind.


Am Ende kam das Rote-Drache-Team auf 23 Runden und landete unter 911 Viererteams auf dem 378. Platz. „Darum geht es uns aber überhaupt nicht, sondern eher um das Erlebnis“, sagt der Mülheimer. „Einmal die Möglichkeit zu haben, auf einer abgesperrten Strecke zu fahren, ist schon richtig gut. Und es kommt der Reiz dazu, es sich selbst ein bisschen zu beweisen“, ergänzt Fillip.


Die Strecke in der Eifel ist nach wie vor ein Klassiker. „Da gibt es Stücke mit sechs Prozent Steigung, das kann man ja hier im Ruhrgebiet in keiner Weise simulieren“, weiß der Wasser- und Radsportler. Auf der Rückfahrt mache sich die Müdigkeit dann richtig bemerkbar. „Außerdem kann man erstmal keine Nudeln mehr sehen“, lacht Fillip.

Dennoch wollen die Mülheimerinnen und Mülheimer auch 2026 wieder dabei sein. Möglicherweise dann sogar mit einem eigenen Frauenteam.


Autor original Marcel Dronia (Artikel Veröffentlicht WAZ)


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